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Behandlungschancen bei Parodontitis und Diabetes

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Behandlungschancen bei Parodontitis und Diabetes
BERLIN - Die Rolle der Parodontologie in Behandlung und Prävention am Beispiel der Wechselwirkungen von Parodontitis und Diabetes mellitus war Gegenstand des Parlamentarischen Abend der DGP (Deutsche Gesellschaft für Parodontologie).


Parlamentarischer Abend der DGP

Die Rolle der Parodontologie in Behandlung und Prävention am Beispiel der Wechselwirkungen von Parodontitis und Diabetes mellitus war Gegenstand des Parlamentarischen Abend der DGP (Deutsche Gesellschaft für Parodontologie). Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um chronisch systemische Volkskrankheiten mit Wechselwirkungen und steigender Prävalenz, deren Behandlungserfolg bei frühzeitiger Diagnose maßgeblich erhöht werden könnten. Die DGP hatte neben Experten aus der Parodontologie Präsidiumsvertreter der BZÄK und der DGZMK sowie renommierte Diabetologen und Versorgungsforscher eingebunden. In der vielschichtigen Diskussion tauschte man sich über neue Wege der vernetzten Versorgung über die Disziplin-Grenzen hinaus aus. Als regelmäßige Ansprechpartner der Patienten seien Zahnärzte prädestiniert, Eingangsärzte in der hausärztlichen Grundversorgung zu sein, war eine der Botschaften des Abends. Die dazu nötigen formalen und qualifikatorischen Voraussetzungen wurden intensiv diskutiert. Die Politiker zeigten großes Interesse und waren offen für neue Wege. Sie machten aber auch klar, dass es keine neuen Budgets geben werde. Für gute Argumente und Studien zum bestmöglichen Mitteleinsatz sei man jedoch immer ansprechbar.

DGP-Präsident, Prof. Dr. Peter Eickholz, hob in seiner Begrüßung hervor, dass es ein vorwärtsweisendes Signal sei, einen solchen Abend gemeinsam zu gestalten. Die DGP führt damit den Gedanken der „Konsensusgruppe“ fort. Dieses Expertengremium von Diabetologen und Parodontologen, darunter auch DGP-Vorstände, hat Empfehlungen für ein abgestimmtes Vorgehen unter behandelnden Ärzten erarbeitet. Eickholz verdeutlichte zunächst das Ausmaß der Parodontalerkrankungen und verwies auf die dramatische Unterversorgung der Bevölkerung: In Deutschland gibt es 20 Millionen Patienten mit behandlungsbedürftigen Parodontalerkrankungen, davon 8 Millionen schwere Fälle – mit Zahnfleischtaschen ≥ 6 mm. Über die gesetzliche Krankenversicherung aber werden nur 954.100 Parodontalbehandlungen abgerechnet (KZBV 2011). Gleichzeit ist bekannt, dass Parodontitis und Diabetes mellitus in einer Wechselbeziehung stehen. Doch in der täglichen Praxis schlägt sich dies kaum nieder. Dort werden die Krankheitsbilder isoliert betrachtet.

Gut belegte Studien

Der Direktor des Diabeteszentrums an der Ruhr Universität Bochum, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, legte dar, dass Diabetes die Entstehung, Progression und den Schweregrad von Parodontitis begünstigt: 3-fach höheres Risiko; 15-fach häufiger Zahnverlust im Vergleich zu Stoffwechselgesunden. Umgekehrt werde die metabolische Kontrolle bei Diabetikern durch Parodontitis erschwert. Für die bidirektionale Beziehung zwischen entzündlichen Erkrankungen des Parodonts und gestörtem Glukosestoffwechsel werden gleiche inflammatorische Prozesse verantwortlich gemacht. „Studien belegen, dass Parodontitis die glykämische Situation verschlechtert und dass sich eine unzureichende Blutzuckereinstellung negativ auf parodontale Erkrankungen auswirkt. Durch Prävention und rechtzeitige Therapie können Entzündungsprozesse, Insulinresistenz und daraus resultierende Probleme aufgehalten werden. Deshalb ist eine Zusammenarbeit zwischen Zahn- und Stoffwechselmedizinern unabdingbar“, so Tschöpe, der ebenfalls Mitglied der Konsensusgruppe sowie Vorsitzender der Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker) ist.

Was können Zahnärzte tun? Prof. Dr. Thomas Kocher, DGP-Vorstand und ebenfalls Mitglied der Konsensusgruppe, appelliert dafür, die hohe Kontaktrate zwischen Zahnarzt und Patient für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung zu nutzen. Jeder 20- bis 70jährige Deutsche geht im Schnitt zweimal im Jahr zum Zahnarzt. Das ist eine gute Möglichkeit, große Teile der Bevölkerung zu screenen. Zahnärzte könnten in ihrer Praxis Blutzuckerkontrollen durchführen und bei Verdacht auf Diabetes den Patienten zum Hausarzt schicken. Geschultes Hilfspersonal sei verfügbar, das Patienten in Verhaltensänderung unterweisen und über lange Zeit führen könne. Dieses Netz könnte auch für die Mitbehandlung von Diabetikern bzw. Prädiabetikern genutzt werden. Die Parodontalbehandlungen sind technisch nicht anspruchsvoll und auch nicht teuer. Sie wirken sich aber positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. „Selbst eine mäßige Verbesserung des Blutzuckerspiegels durch eine Parodontalbehandlung kann eine bevölkerungsweite Auswirkung auf den Diabetes und seine Folgeerkrankungen haben“, erläuterte Kocher.

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Source: www.dental-tribune.com

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